Aufdeckung der Lügen gegen Schaykh al-Islām Ibn Taymiyyah
Behauptung: Ibn Taymiyyah glaubte an die Endlichkeit des Höllenfeuers
Es wird behauptet Ibn Taymiyyah hätte daran geglaubt, das Höllenfeuer werde irgendwann enden und seine Bewohner würden nicht auf Ewigkeit darin brennen oder nach seinem Ende gar das Paradies betreten. Dieser Glaube lässt sich mit keiner einziger Aussage aus seinen eigenen Büchern belegen, vielmehr gibt es zahlreiche Aussagen in seinen Werken, die das genaue Gegenteil beweisen, wie etwa die folgende:
وقد اتفق سلف الأمة وأئمتها , وسائر أهل السنة والجماعة على أن من المخلوقات ما لا يعدم ولا يفنى بالكلية , كالجنة والنار والعرش وغير ذلك . ولم يقل بفناء جميع المخلوقات إلا طائفة من أهل الكلام المبتدعين كالجهم بن صفوان , ومن وافقه من المعتزلة ونحوهم . وهذا قول باطل يخالف كتاب الله وسنة الرسول صلى الله عليه وسلم وإجماع سلف الأمة وأئمتها
Die Altvorderen (Salaf) dieser Ummah und ihre Führer, sowie der Rest von Ahl al-Sunnah wa al-Jamāʿah, sind darüber übereingekommen, das es unter den erschaffenen Dingen solche gibt, welche nicht enden und nicht in ihrer Gesamtheit vergehen, wie beispielsweise das Paradies, das Feuer, der Thron und weitere. Und niemand spricht vom Vergehen aller erschaffenen Dinge außer einer Gruppe unter den Erneuerern der Philosophen wie Jahm bin Safwān und jenen die ihm von den Muʿatazilah und dergleichen folgen. Und dies ist eine ungültlige Ansicht, welche dem Buch Allahs, der Sunnah seines Gesandten
und dem Konsens der Altvorderen (Salaf) dieser Ummah und ihrer Führer widerspricht.
(Majmuʿ al-Fatāwā 18/307, siehe Online-Ausgabe)
Behauptung: Ibn Taymiyyah glaubte Allah sei ein Körper
Es wird behauptet, Schaykh al-Islām Ibn Taymiyyah habe den Glauben gehabt, dass Allah einen Körper besitzt oder ein Körper ist. Als Beweis wird unter anderem die folgende Aussage vorgebracht:
فمن المعلوم أن الكتاب والسنة والإجماع لم تنطق بأن الأجسام كلها محدثة وأن الله ليس بجسم ولا قال ذلك إمام من أئمة المسلمين ، فليس في تركي لهذا القول خروج عن الفطرة ولا عن الشريعة
„Es ist bekannt, dass weder durch das Buch, noch durch die Sunnah, noch durch den Konsens besagt wird, dass alle Körper erschaffen seien, oder dass Allah kein Körper sei, und auch sagte dies keiner der Führer der Muslime, weswegen meine Beibehaltung dieses Ausdruckes keine Abweichung von der natürlichen Veranlagung oder von der Scharīʿah darstellt.“
(Tablīs al-Jahmiyyah 1/118, siehe Online-Ausgabe)
Wir sagen: Ja, Schaykh al-Islām lehnte es nicht ab Allah als einen Körper zu bezeichnen, jedoch meinte er damit nicht das, was seine Feinde ihm unterstellen wollen, nämlich einen unterteilten Körper wie der menschliche Körper, oder einen Körper der aus Materie besteht und eine Form hat und dergleichen. Vielmehr bestätigte er den Begriff des Körpers nur in dem Fall, in dem damit etwas Richtiges gemeint ist, wie beispielsweise, wenn ein Körper als Träger von Eigenschaften definiert wird. In einem solchen Fall sah er in der Belassung des Begriffes keinen Widerspruch zur Scharīʿah.
Welche Bedeutung Ibn Taymiyyah in obigem Zitat meinte, lässt sich eine Seite zuvor nachlesen:
... إذ الجسم عندهم هو القائم بنفسه أو الموجود أو الموصوف...
„... wenn der Körper bei ihnen das selbständig Bestehende oder die Existenz oder das mit Eigenschaften ausgestattete ist ...“
(Tablīs al-Jahmiyyah 1/117, siehe Online-Ausgabe)
An anderer Stelle im gleichen Werk erläutert er die Angelegenheit ausführlicher:
وأما اللفظ فبدعة نفيا وإثباتا فليس في الكتاب ولا السنة ولا قول أحد من سلف الأمة وأئمتها إطلاق لفظ الجسم في صفات الله تعالى لا نفيا ولا إثباتا وكذلك لفظ الجوهر والمتحيز ونحو ذلك من الألفاظ التي تنازع أهل الكلام المحدث فيها نفيا وإثباتا وإن قال كل ما يشار إليه ويرى وترفع إليه الأيدي فإنه لا يكون إلا جسما مركبا من الجواهر الفردة أو من المادة والصورة قيل له هذا محل نزاع فأكثر العقلاء ينفون ذلك وأنت لم تذكر على ذلك دليلا
„Und was die Begrifflichkeit angeht, so ist sowohl ihre Bestätigung als auch ihre Ablehnung eine Neuerung (Bidʿah), denn weder das Buch, noch die Sunnah, noch die Aussagen der Altvorderen dieser Ummah und ihrer Führer enthalten eine Erwähnung des Begriffes Körper, keine ablehnende und keine bestätigende. Gleiches gilt für den Begriff des Atoms oder des Objektes und ähnliche Begriffe, über welche sich die modernen Philosophen in Ablehnung und Bestätigung streiten. Und wenn er sagt: Alles auf was gezeigt wird und zu dem die Hände erhoben werden kann nichts anderes sein als ein aus Atomen oder aus Materie und Form zusammengesetzer Körper, so sagt man ihm: Das ist ein fragwürdiger Standpunkt und die meisten Menschen mit Verstand lehnen dies ab und du hast keinen Beweis dafür erwähnt.“
(Tablīs al-Jahmiyyah 1/550, siehe Online-Ausgabe)
Für ihn ist der Begriff des Körpers also zunächst einmal neutral, da es weder Beweise für seine Bestätigung noch für seine Ablehnung gibt. Sodann unterscheidet er, ob mit dem Begriff etwas gemeint ist was akzeptabel ist, oder ob man etwas Inakzeptables meint. Er führt beispielhaft eine inakzeptable Definition des Begriffes an, von welcher er Allah freispricht:
قد يراد به المركب الذي كانت أجزاؤه مفرقة فجمعت أو ما يقبل التفريق والانفصال أو المركب من مادة و صورة أو المركب من الأجزاء المفردة التي تسمى الجواهر الفردة والله تعالى منزه عن ذلك كله
„Damit kann das Zusammengesetze gemeint sein, dessen Teile getrennt waren und hernach vereinigt wurden, oder etwas, was trennbar oder gliederbar ist, oder etwas was aus Materie und Form besteht, oder etwas was aus einzelnen Teilen zusammengesetz ist, die Atome genannt werden, und Allah der Erhabene ist frei von all diesen Dingen.“
(ibid.)
Dannach bringt er ein Beispiel für eine Definition, welche bestätigt werden muss, da ihre Aussage richtig ist:
وقد يراد بالجسم ما يشار إليه أو ما يرى أو ما تقوم به
الصفات والله تعالى يرى في الآخرة وتقوم به الصفات ويشير إليه الناس عند
الدعاء بأيديهم وقلوبهم ووجوههم وأعينهم فإن أراد بقوله ليس بجسم هذا
المعنى قيل له هذا المعنى الذي قصدت نفيه بهذا اللفظ معنى ثابت بصحيح
المنقول وصريح المعقول وأنت لم تقم دليلا على نفيه
„Und mit Körper kann auch etwas gemeint sein, auf das gezeigt wird, oder was gesehen wird, oder was Eigenschaften trägt, und Allah der Erhabene wird im Jenseits gesehen, er trägt Eigenschaften und die Menschen zeigen in ihrem Gebet mit ihren Händen, Herzen, Gesichtern und Augen auf ihn. Und wenn jemand mit seiner Aussage, er sei kein Körper, diese Bedeutung meint, so wird ihm gesagt: Die Bedeutung, die du mit der Ablehnung dieses Begriffes meinst, ist eine Bedeutung, die aus authentischen Aussagen und korrekter Schlussfolgerung sicher bekannt ist, und du hast keinen Beweis für ihre Ablehnung erbracht.“
(ibid.)
Behauptung: Ibn Taymiyyah glaubte der Gesandte Allahs werde neben Allah auf dem Thron sitzen
Schaykh al-Islām Ibn Taymiyyah sagte:
فقد حدث العلماء المرضيون وأولياؤه المقبولون أن محمدا رسول الله يجلسه ربه على العرش معه
(Majmuʿ al-Fatāwā 4/374, siehe Online-Ausgabe)
Was Ibn Taymiyyah hier erwähnt entspricht zweifelsohne den Tatsachen, denn tatsächlich überlieferten einige Gelehrte das Sitzen des Propheten
auf dem Thron und lehnten es nicht ab. Woher jedoch nimmt man die Behauptung, Ibn Taymiyyah selbst habe sich diesen Glauben zu Eigen gemacht? Dies hat keine Grundlage und die Wahrheit ist, dass er diese Überlieferungen als erfunden zurückwies. So sagte er:
كحديث قعود الرسول صلى الله عليه وسلم على العرش رواه بعض الناس من طرق كثيرة مرفوعة وهي كلها موضوعة
„... wie das Hadith über das Sitzen des Gesandten
auf dem Thron. Dieses wurde von einigen Menschen über viele Wege die bis zum Propheten reichen überliefert, welche jedoch allesamt erfunden sind.“
(Dar' Taʿārud al-ʿAql wa al-Naql 5/237, siehe Online-Ausgabe)
Sodann erwähnen die Verleumder Al-Ḥāfiẓ Abū Ḥayān, welcher in seinem Tafsīr sagte:
وقرأت في كتاب لأحمد بن تيمية هذا الذي عاصرنا وهو بخطه سماه كتاب العرش: أن الله تعالى يجلس على الكرسي وقد أخلى منه مكاناً يقعد فيه معه رسول الله صلى الله عليه وسلم
„Ich habe in einem Buch unseres Zeitgenossen Aḥmed bin Taymiyyah, genauer in seiner Schrift die er Buch des Thrones nannte, gelesen, dass Allah der Erhabene auf dem Stuhl sitzt und etwas davon frei macht, und den Gesandten Allahs
zu sich setzt.“
(Al-Nahr al-Mād 1/254)
Allein die Tatsache, dass man nun auf obskure Berichte Dritter zurückgreift zeigt bereits, dass es offensichtlich unmöglich ist, die aufgestellte Behauptung anhand der Bücher Ibn Taymiyyahs zu beweisen. In seinem Werk al-Risālah al-ʿArschiyyah ist nichts dergleichen zu finden, und wenn es sich dabei nicht um die gleiche Schrift handelt, wo findet man dann dieses ominöse Buch des Thrones?
Was Abū Ḥayān angeht, so ist bekannt, dass er aus übertriebener Personenliebe heraus alles, was an Schlechtem über Ibn Taymiyyah gesagt wurde, blind annahm, da dieser dem Grammatiker Sibawayhi Fehler unterstellt hatte, wie Ibn Hajjar berichtet:
الإشكال بين أبي حيان وابن تيمية إنما وقع حول قضية تتعلق بالنحو فقد دار جدال بينهما في النحو فخطّأ ابن تيمية سيبويه في مسائل فلما عارضه أبو حيان لذلك قال له ابن تيمية: لم يكن سيبويه نبيًا معصومًا. فاعتبر أبو حيان هذه الكلمة ذنبًا لا يُغتفر، وكان هذا سبب مقاطعته إياه.
„Die Unstimmigkeit zwischen Abī Ḥayān und Ibn Taymiyyah kam erst durch einen Vorfall zustande, welcher mit Grammatik zu tun hatte. Es gab einen grammatikalischen Disput zwischen beiden, und Ibn Taymiyyah unterstellte Sibawayhi in einigen Fragen Fehler. Als sich Abū Ḥayān dem widersetze sagte Ibn Taymiyyah: Sibawayhi war kein unfehlbarer Prophet. Abū Ḥayān sah dies als unverzeiliche Sünde an und dies war der Grund, warum er mit ihm brach.“
(al-Durar al-Kāminah 1/152f.)
