Hadith al-Thaqalayn und Ayat al-Wilāyah

Frage:

Die Sunniten lehnen das Hadith über die beiden gewichigen Dinge (Hadith al-Thaqalayn) ab und erklären es für schwach, um so die rechtmäßige Führerschaft und die Vorzüglichkeit ʿAlīs und der reinen Ahlel-Bayt abstreiten zu können und ebenso deuten sie den Vers über die Führerschaft (Ayat al-Wilāya) um, obwohl es einen Konsens unter den sunnitischen Tafsīrgelehrten gibt, dass er über den Führer der Gläubigen ʿAlī, Friede sei mit ihm, offenbahrt wurde. Wir hätten gerne ein Stellungnahme zu dieser Sache. Vielen Dank.


Antwort
:

Das Hadith al-Thaqalayn, welches in den beiden Sahih-Werken zu finden ist, besagt in seinem Wortlaut, dass der Gesandte Allah (saws) sagte:

„Ich hinterlasse euch zwei gewichtige Dinge (Thaqalayn), das Buch Allahs und meine Sunnah. Ihr werdet hernach nicht mehr in die Irre gehen, wenn ihr an diesen beiden festhaltet.“

Und was das Hadith von Zayid bin Arqam in Sahih Muslim angeht, so besagt es:

„Ich hinterlasse euch zwei gewichtige Dinge (Thaqalayn). Das erste ist das Buch Allahs, in ihm ist Rechtleitung und Licht, so ergreift das Buch Allahs und haltet daran fest.“ Zayid sagte: Er spornte (uns) bezüglich des Buches Allahs an und motivierte (uns), sodann sagte er: „Und die Leute meines Hauses. Ich erinnere euch an Allah wegen der Leute meines Hauses, ich erinnere euch an Allah wegen der Leute meines Hauses, ich erinnere euch an Allah wegen der Leute meines Hauses.“ Huṣayn fragte ihn: „Wer sind die Leute seines Hauses Zayid? Sind nicht seine Frauen von den Leuten seines Hauses?“ Er sagte: Seine Frauen gehören zu den Leuten seines Hauses, jedoch sind die Leute seines Hauses alle, denen nach ihm die Sadaqa verwehrt ist, und dies sind die Familie Jaʿfars, die Familie ʿAqīls, die Familie ʿAlīs und die Familie ʿAbbās.

Dies alles sind also die Leute seines Hauses und am nächsten ist ihm sein Onkel ʿAbbās, ebenso wie dessen Kinder, die Kinder von ʿAqīl bin Abī Ṭālib, der Kinder Jaʿfars, die Kinder von Abū Sufyan bin Ḥārith bin ʿAbd al-Muṭallib und jene Kinder Abū Lahabs, welche den Islam angenommen haben, und ebenso der Rest von Banū Ḥāschim. Sie alle gehören zu seinem Stamm, den Leuten seines Hauses, und ihnen alle war nach ihm die Sadaqa verboten. Die Leute seines Hauses sind nicht allein ʿAlī, Hassan und Hussain, wie die Rāfiḍah behaupten, welche es allein ʿAlī, seinen beiden Söhnen und seiner Frau Fatima zugestehen, die Leute des Hauses zu sein, während sie seine übrigen Kinder außen vor lassen, obwohl es mehr als zehn sind. Unter ihnen ist Muḥammad bin ʿAlī, Abu Bakr bin ʿAlī, ʿUmar bin ʿAlī, Uthmān bin ʿAlī und weitere. Und sie verleugnen ebenso die Vorzüglichkeit seiner Ehefrauen nach Fāṭimah. Die bekannteste von ihnen ist Asmā' bint ʿUnays, welche er nach Abū Bakr heiratete. Und es gibt auch keinen Zweifel daran, dass auch die Mütter der Gläubigen zu den Leuten des Hauses gehören, und zu den zwei gewichtigen Dingen und zur Familie des Propheten, da Allah der Erhabene sagt: {Und bleibt in euren Häusern und prunkt nicht wie in den Zeiten der Dschahiliya und verrichtet das Gebet und entrichtet die Zakah und gehorcht Allah und Seinem Gesandten. Allah will nur jegliches Übel von euch nehmen, ihr Leute des Hauses, und euch stets in vollkommener Weise rein halten.} [33:33]

Sowohl in den Versen zuvor als auch in den Versen nach diesem Vers der Reinigung, werden die Mütter der Gläubigen angesprochen, nur dass das Pronomen in den Worten { von euch nehmen } den Propheten (saws) mit einschließt, weswegen das männliche Geschlecht dominiert, und sich die Reinigung so nicht speziell auf die Frauen unter Auslassung des Propheten selbst bezieht*. (Er ist der Besitzer der Häuser, und sie sind ihre Bewohner, denn Allah sagt: { Und bleibt in euren Häusern }. Dabei sind es aber dennoch die Häuser des Propheten (saws), denn Allah sagt: {Oh ihr, die ihr glaubt, tretet nicht in die Häuser des Propheten ein, es sei denn ihr habt die Erlaubnis erhalten. } [33:53] Er ist also der Besitzer des Hauses und sie sind die Bewohner der Häuser, in denen sie wohnen. ʿAlī hingegen lebte mit seiner Frau unabhängig in einem bestimmten Haus, und es wird nicht gesagt, dass dieses Haus dem Propheten (saws) gehöre, vielmehr kann es nur ʿAlī zugeordnet werden. Somit sind die Leute des Hauses im eigentlichen Sinne die Frauen des Propheten (saws) und sie sind die Reinen und Gereinigten.

Was die Ayat al-Wilāyah (Vers der Führerschaft) angeht, so ist sie das Wort Allahs des Erhabenen: {Euer Walī ist Allah und (ebenso) sein Gesandter und die Gläubigen, die das Gebet verrichten und die Zakah entrichten und die sich verbeugen. } [5:55]

Die Rāfiḍah behaupten, dieser Vers beziehe sich allein auf ʿAlī, was ein äußerst abwegiger Standpunkt ist. Tatsächlich fasst Allah mit ihm alle Gläubigen zusammen, denn alle Gläubigen verrichten das Gebet, entrichten die Zakah, unterwerfen sich Allah und gehorchen ihm. So ist die Bedeutung des Verses, dass alle Gläubigen einander Awliyā sind, sie lieben sich, unterstützen einander und folgen ihren Weisungen und Ratschlägen. Was die Aussage angeht, ʿAlī hätte seinen Ring gespendet, während er in der Verbeugung (des Gebetes) war, so ist diese nicht authentisch und auch liegt darin keinerlei Tugend, denn es obliegt dem Menschen, dass er sich im Gebet unterwirft, demütig ist, sich auf sein Gebet konzentriert und sich nicht durch etwas anderes ablenken lässt. Er muss sich von jeder Sache fernhalten, die ihn im Gebet ablenken könnte. Das Spenden während des Gebetes hat also keinerlei Sinn, und wenn es so wäre, so würden die Menschen sich übereilen, denn das Spenden während sie im Gebet stehen ist etwas, was sie von der Anbetung und dem Nutzenziehen aus dem Gebet abhält.

Und selbst wenn man annehmen würde, dass sich dieser Vers auf die Führerschaft ʿAlīs beziehen würde, weil er als einziger in der Verbeugung spendete, so wären doch die übrigen Imame der Rāfiḍah wie Hassan und Hussain aus diesem Vers ausgeschlossen, denn von keinem von ihnen wird berichtet, dass er jemals in der Verbeugung gespendet hätte.

Tatsächlich bezieht sich der Vers auf die Gesamtheit (der Gläubigen) und die Worte { und die sich verbeugen } beschreibt ihre Ausdauer in der Verbeugung, die aus ihrer Beharrlichkeit im Gebet resultiert, und nicht etwa jemanden, der spendet während er sich verbeugt. Und wer behauptet, es gäbe unter den Tafsīrgelehrten einen Konsens über die Herabsendung dieses Verses bezüglich ʿAlī, der hat einen offenkundigen Fehler begangen. In den sunnitischen Tafsīrwerken ist kein solcher Konsens zu finden, vielmehr wird diese Überlieferung lediglich erwähnt, wobei sie jedoch schwach ist.

Beantwortet von Schaykh ʿAbd Allah bin Jibrīn (Möge Allah sich seiner erbarmen)

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*) Im Arabischen gibt es anders als im Deutschen seperate männliche und weibliche Formen für Pronomen, sowohl im Singular als auch im Plural. Kommt zu einer Gruppe von Frauen ein Mann hinzu, so dominiert grammatisch das männliche Geschlecht und alle werden in der männlichen Form angesprochen. Im Vers 33:33 wird beim Ansprechen der Leute des Hauses im Gegensatz zum Rest des Verses die männliche Form verwendet anstelle der weiblichen. Die Schiiten behaupten dies sei, weil der Vers von den Gefährten in Manipulationsabsicht an die falsche Stelle gesetzt wurde, und die Frauen in Wahrheit nicht damit gemeint sind, sondern allein Hassan, Hussain, ʿAli und Fāṭimah. Die offensichtlichste Erklärung ist, wie der Schaykh ansprach, dass bei der Reinigung der Leute des Hauses der Prophet nicht ausgespart sondern einbezogen wurde, und wie sollte es auch anders sein?

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